Francesco Moser, Marc de Meyer and Jan Raas bei Paris Roubaix

Die Hölle des Nordens

Paris-Roubaix ist eines der ältesten und zugleich härtesten Eintagesrennen im Rennradsport und führt das Fahrerfeld jedes Jahr im April durch Nordfrankreich. Die Königin der Klassiker (La Reine des Classiques) fand erstmals 1896 statt und wartet mit einigen Besonderheiten auf. Erster Sieger des Rennens war der Deutsche Josef Fischer. Die Gewinner dieses besonders schweren Rennens werden zu Recht im Ziel als Helden gefeiert und automatisch Teil der Radsportgeschichte.

Wenn man nach Bildern oder Videos von diesem Radrennen im Internet sucht, sieht man immer das gleiche Bild: Kopfsteinpflaster, Schmutz sowie verstaubte und dreckige Gesichter der Fahrer, die wie von einem Überlebenskampf gezeichnet sind. Die Schwierigkeit bei diesem Rennen ist aber nicht etwa die Länge von circa 250 Kilometern, sondern die Pavés – das sind Kopfsteinpflasterpassagen aus dem 1. Weltkrieg, wo sie als Versorgungswege des Militärs gebaut wurden. Das Kopfsteinpflaster ist besonders grob, steht unter Denkmalschutz und wird permanent instandgehalten. Insgesamt müssen 27 Kilometer Kopfsteinpflasterpassagen bezwungen werden (2015). Der Siegerpokal ist ebenfalls einer dieser Steine. Der Letzte Deutsche , der solch einen in Empfang nehmen konnte, war John Degenkolb am 12. April 2015. Er gewann im gleichen Jahr auch Mailand-Sanremo und ist erst der zweite Fahrer nach Sean Kelly, dem das Double gelang.

Das Podium 2015: Zdenek Stybar, John Degenkolb und Greg Van Avermaet während der Siegerehrung im Vélodrome in Roubaix (Bildquelle: www.letour.fr)

Das Podium 2015: Zdenek Stybar, John Degenkolb und Greg Van Avermaet während der Siegerehrung im Vélodrome in Roubaix (Bildquelle: www.letour.fr)

Im letzten Jahr gewann ein Nicht-Favorit knapp vor dem Klassikerspezialist Tom Boonen: Mathew Hayman entschied das Rennen im Zielsprint im Velodrom für sich. In diesem Jahr fährt Tom Boonen zum letzten Mal in Paris-Roubaix und es ist gleichzeitig auch sein letztes Rennen als Profi. Er hat am Sonntag die einmalige Chance, dieses schwere Eintagesrennen als einziger Radprofi zum 5. Mal zu gewinnen, ich drücke ihm alle Daumen!

Paris Roubaix Sieger 2016 Mathew Hayman (Orica-GreenEdge)

Boom: Mathew Hayman (Orica-GreenEdge) macht Tom Boonens Traum vom 5. Sieg zunichte und gewinnt Paris Roubaix im Zielsprint.

Eine weitere Besonderheit ist die Zieldurchfahrt im Velodrome, hier wurden schon einige Rennen im Sprint gewonnen, so wie im letzten Jahr. Dies liegt aber nicht jedem Rennfahrer, weshalb es gerade in Roubaix immer wieder spektakuläre Solofluchten gibt. Einen der längsten und erfolgreichen Soloritte schaffte der Schweizer Mehrfachsieger Fabian Cancellara im Jahr 2010. Der Zeitfahrspezialist attakierte bereits 45 Kilometer vor dem Ziel und hatte am Ende einen Vorsprung von zwei Minuten auf Thor Hushovd. Insgesamt siegte er drei Mal in der Hölle des Nordens im ansonsten von Belgiern dominierten Rennen.

Die Strecke 2017:

Strecke Paris-Roubaix 2017

Strecke Paris-Roubaix 2017

Eckdaten zu Paris-Roubaix
  • Erstaustragung des Rennens 1896 (Sieger: Josef Fischer aus Deutschland)
  • Streckenlänge: 253,5 Kilometer in meist flachem Terrain (2015)
  • 27 Kopfsteinpflasterpassagen, insgesamt sind 52,7 Kilometer auf den teils beschwerlichen Streckenabschnitten zurückzulegen (2015).  Die Pavés sind in die Stufen 1 bis 5 kategorisiert, wobei 5 die schwerste ist.
  • Die beiden Belgier Roger De Vlaeminck und Tom Boonen haben mit je vier Siegen die meisten Triumphe eingefahren. De Vlaeminck fuhr seine Siege zwischen 1972 und 1977 ein, Boonen von 2006 bis 2012 und hofft auf einen weiteren Sieg.
  • Weitere Details zum Rennen auf der offiziellen Webseite www.letour.fr/paris-roubaix

Die nächste Austragung des Klassikers findet am 9. April diesen Jahres statt. Ambitionierte Hobbyradsportler können einen Tag vor den Profis auf einem Teil der Originalstrecke beim Jedermannrennen mitfahren und sich der einmaligen Herausforderung stellen. Alle Infos dazu findest Du auf der offiziellen Veranstaltungsseite des Hobbyrennens.

Die abschließenden zwei Videos geben einen kleinen Vorgeschmack auf Paris-Roubaix (Video 1: Profirennen / Video 2: Jedermannrennen):

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Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Hayman konnte im Velodrome den Sprint für sich entscheiden und Boonen den historischen 5. Sieg ganz knapp vor der Nase wegschnappen. Der Australier ist schon viele Male im Ziel in Roubaix angekommen und brachte genug Erfahrung für dieses schwere Eintagesrennen mit. Er war auch einer der wenigen, der bis auf etwas breitere Reifen eine ganz normale Aeromaschine (Scott Foil) im Rennen einsetzte, während andere ihr Rad speziell für dieses Rennen umgerüstet hatten. […]

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